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Ein Schattenspiel nach dem Märchen von Hans Christian Andersen für Kinder ab sechs Jahren





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Goslarsche Zeitung, 11. Juni 1990

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Auftakt der Kleinkunsttage ein Signal
 GOSLAR. Im goldenen Käfig gefangen, kann Kunst nicht gedeihen. Das Märchen von der Nachtigall, das Hans Christian Andersen vor weit über hundert Jahren schrieb, ist aktuell wie eh und je. Im Gewand des Schattenspiels verzauberte es zum Beginn der "Goslarer Tage der Kleinkunst" die vielen Zuschauer, die auch noch den letzten Stuhl und Fußbodenplatz besetzt hielten, und setzte ein Signal. Ein gelungener Auftakt der Veranstaltungsreihe, die am Wochenende fortgesetzt wird.
Kleinkunst habe nichts mit kleiner Bedeutung zu tun, stellte Oberbürgermeister Dr. Jürgen Paul bei der Eröffnung fest, sie lebe vielmehr, und das mache sie liebenswürdig, von der Wahl der kleinen Mittel. Sein Dank galt den beiden Initiatoren der Tage der Kleinkunst, Helga Schmutzler und Achim Baensch, die dieser Kunst in Goslar zum Durchbruch verholfen hätten.
Wie eine Klause umschloß der "Wintersaal" der Kaiserpfalz die Zuschauer mit seinen wuchtigen Mauern und den jahrhundertealten Kapitellen. Mittelpunkt war das kleine erleuchtete Rechteck, auf dem bewegliche Schattenrisse eine Märchenwelt beschworen, die für unsere Welt wie überhaupt für das menschliche Dasein steht. Wunderhübsch, wie in die entseelte Welt des Porzellanschlosses mit Silberglöckchen an den Blumen die Natur einbricht, die Nachtigall, die mit ihrem Gesang den Kaiser von China zu Tränen rührt. Im goldenen Käfig jedoch verstummt sie. In der Welt der Technik ist das vorerst kein Problem: Eine künstliche Nachtigall singt auf Knopfdruck, bis ihre Feder zerspringt. Grenzen werden in den einfachen Handlungssträngen deutlich, Grenzen, die die lebendige Nachtigall schließlich überwindet, als sie dem Kaiser hilft, den Tod zu verjagen.
Das Figurentheater Gingganz hat das Kunstmärchen geschickt bearbeitet, die hintergründige Ironie und den Humor stärker herausgeholt und optisch in die Bewegung der Hofschranzen umgesetzt. Wie der kaiserliche Befehl bis zu den im Dreiklang nickenden Hofdamen delegiert wird, war wunderhübsch. Dem kopfnickenden Minister und dem dickbäuchigen Spielmeister stehen Küchenmädchen und Nachtigall gegenüber, die schließlich auch den Kaiser "erobern".
Es ist schon erstaunlich, wie Mechthild und Michael Staemmler Humor, Dramatik und Poesie in Schatten umsetzen. Mit Farbeffekten öffnen sie beim Gesang der Nachtigall die Welt der Menschlichkeit auf. Das Ringen des Kaisers mit dem Tod, das in der literarischen Vorlage sehr eindringlich ist, erhält auch wortlos eine unwahrscheinliche Dichte. Die Staemmlers erwiesen sich als ausgezeichnete Sprecher. Hervorragend etwa der Kaiser, bei dem allein die veränderte Sprache einen Einbruch in den Panzer um das Menschliche kennzeichnete. Ein Sonderlob auch für die Musik von Ch. Hartung / J. Schillinger und V. Schönhart, die wesentlich am Erfolg beteiligt waren. Der Beifall wollte kein Ende nehmen. |

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Das Figurentheater Gingganz begeisterte mit Schattenspiel

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Scherenschnitte in Aktion

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 © Figurentheater Gingganz, 2001-2005
Figurentheater Gingganz - Inszenierungen für Kinder und Erwachsene, Straßentheater - gegründet 1984 in Göttingen, fahrendes Theater, umfangreiches Repertoire von Märchen über "Der Kleine König Dezember" und "Oh wie schön ist Panama" bis hin zu Goethes "Faust", "Don Carlos" und "Warten auf Godot".
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