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DIE NACHTIGALL
Ein Schattenspiel nach dem Märchen von Hans Christian Andersen für Kinder ab sechs Jahren


Kritiken


Scherenschnitte in Aktion

Badisches Tageblatt, 12. März 1991


"Nachtigall" als spannendes Schattenspiel in der Gernsbacher Stadthalle

Gernsbach - "Theaterleute" einer ganz besonderen Sparte zeigten ihre Kunst am Wochenende in der Gernsbacher Stadthalle: Puppenspieler. Gespannt warteten etwa 30 kleine Zuschauer, die zum Teil auch ihre Eltern mitgebracht hatten, auf die Version des "Figurentheaters Gingganz" von der "Nachtigall". Die Puppenspieler-Profis inszenierten Hans Christian Andersens bekanntes Märchen als effektvolles Schattenspiel.

Aufmerksam verfolgte das Publikum die Geschichte vom chinesischen Kaiser, in dessen Reich eine Nachtigall so schön singt, daß ihr Ruhm bis in die fernsten Länder dringt. Über den Gesang der kleinen - äußerlich unscheinbaren - Nachtigall werden Gedichte in allen Sprachen verfaßt.

Schließlich erfährt auch der chinesische Kaiser selbst von der wunderbaren Sängerin, er läßt sie sofort an seinen Hof bringen. Auch ihn bezaubert die Musik und er überhäuft die Nachtigall mit allen Ehren. Aber er sperrt sie ein, wenn auch in einen goldenen Käfig. Die Nachtigall kann in Gefangenschaft nicht singen, und auch ein mechanisches Vögelchen, das außerdem schnell kaputt geht, kann ihre süßen Klänge nicht ersetzen.

Hans Christian Andersen hat in diesem Märchen bereits auf die Grenzen der Technik, verwiesen. Außerdem unterstreicht er die Fehlbarkeit des Menschen und kritisiert den Wunsch, alles besitzen und beherrschen zu wollen. Indem er sein Anliegen in das Bild der Nachtigall kleidet, die Felder, Bäume und vor allem ihre Freiheit braucht, um zu singen, macht Andersen es auch den Kindern verständlich.

Neben dem Inhalt zeigten sich die kleinen Zuschauer auch von der Technik und den Figuren des Schattenspiels begeistert. Kaum war die Vorstellung zu Ende, liefen sie hinter den "Bildschirm", um zu ergründen, woher die schwarzen Silhouetten wohl kämen. Interessiert betrachteten sie die an langen Stäben befestigten Spielfiguren in Scherenschnitt-Technik. Und auch die Puppenspielerin Mechthild Staemmler konnten sie nun aus nächster Nähe in Augenschein nehmen. Wie sie es allerdings anstellte, den Dienerinnen, dem König und dem Kapellmeister die unterschiedlichsten Stimmen und Charaktere zu verleihen, blieb das Geheimnis ihrer Rezitierkunst.

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Figurentheater Gingganz - Inszenierungen für Kinder und Erwachsene, Straßentheater - gegründet 1984 in Göttingen, fahrendes Theater, umfangreiches Repertoire von Märchen über "Der Kleine König Dezember" und "Oh wie schön ist Panama" bis hin zu Goethes "Faust", "Don Carlos" und "Warten auf Godot".