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Ein Spektakel um Goethe, den Weltgeist, die Sprache und um das, was die Welt im Innersten zusammenhält.





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von sl, Neue Westfälische, 19. September 1999

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Figurentheater Gingganz zeigt Goethe-Klassiker / Faust einmal anders
 Rahden-Wehe. In Weimar steht er gemeinsam mit Schiller auf dem Platz vor dem Nationaltheater, blickt herab auf das Volk der Dichter und Denker. Und gefeiert wird er in diesem Jahr besonders, schließlich ist 1999 das Goethe-Jahr. Verklärt wird der Dichter von vielen, in einem Elfenbeinturm angesiedelt. Ihren Beitrag zum Goethe-Jahr leistete am Dienstagabend auch die Volkshochschule - allerdings mit einer ungewöhnlichen Inszenierung des Figurentheaters Gingganz aus Göttingen.
"Heute: Faust" - das Figurentheater gastierte nicht mit einer Inszenierung des Goethe-Klassikers im Theater im Weher Pavillon. Im Mittelpunkt stand vielmehr der Dichterfürst selbst - in Form einer Puppe. Ein kleiner Kopf thront auf einem dafür etwas überdimensionierten Körper. Der Figur verleiht Puppenspieler Michael Staemmler Leben. Staemmler selbst verschwindet hinter einer Maske, schlüpft so in die Rolle von Goethes Sekretär Eckermann.
"Damit er es schön hat, der Wölfi"
Zu keinem Zeitpunkt kommt da Langeweile auf, Staemmler verleiht den Figuren Leben. Neben "Goethe" gehört auch seine Mutter dazu. Eigentlich sei sie schon längst tot, erklärt sie leicht sächselnd dem kleinen Kreis der Zuchauer. Aber zwischendurch komme sie immer mal als guter Geist vorbei, "damit er es schön hat, der Wölfi." Staemmler hat sich ein Tuch über den Kopf gezogen, kauert dabei auf dem Stuhl, auf dem er sonst die Goethe-Figur platziert.
Ihr "Wölfi", das ist für viele der Dichterfürst schlechthin. Da fällt ihr auf dem Schreibpult der Zettel mit dem "Heideröslein" ein - das hatte Eckermann mitgebracht, sich von dem Dichter eine Abfuhr geholt. Angeblich keine Bilderwelt, keine Metaphorik. Die Mutter schwärmt dagegen. "Ach schön, wie er das immer hinkriegt mit den Reimen", nuschelt sie und brabbelt das Gedicht herunter, dass schon sehr an den mitunter grotesken Humor eines Helge Schneiders erinnert.
Die Reime - das ist des Dichterfürsten Welt, Dem "Heideröslein" hatte er eine Abfuhr erteilt, dem verstörten Eckermann dagegen gezeigt, wie er es macht. "Ich ging so vor mich hin, ganz ohne Sinn. Sah eine Blume stehn, wollt sie mit nehm. Grub sie aus und nahm's mit nach Haus." Gedichte und Reime auf Zuruf, ganz ohne tiefes Sinnieren. Eine ungewöhnliche Darstellung des Dichterfürsten, dessen "Dichterklause" eher an einen schäbigen Schulkarzer erinnert.
Das hat allerdings auch seinen Vorteil. Nichts lenkt von der Handlung ab. In deren Mittelpunkt steht die Puppe, auf sie sind die Zuschauer fixiert. Mürrisch wird er dargestellt, mal schlitzohrig oder mal pedantisch. Schließlich besteht er auf seinem Adelsprädikat, das Eckermann immer mal wieder bei der Anrede vergisst. Aber er ist auch verwirrt, im nächsten Moment wieder schlagfertig, wenn es darum geht, sein Können unter Beweis zu stellen. - "Es war ein König von Thule, der ging nicht gern zur Schule. Er aß eine Birne, und schlief bei einer Dirne", belehrt er Eckermann. Der ist ihm immer zur Hand, mal forsch, mal devot. Das hat seinen Grund, denn Goethe benötigt die Hand Eckermanns (Michael Staemmler), um seinen winzigen Kopf zu bewegen, die Brille aufzusetzen oder sich an der Nase zu kratzen.
Knapp zwei Stunden erhalten die Besucher im Pavillon so einen Einblick in den Tag, als Goethe eigentlich sein großes Werk "Faust" vollenden wollte. Mal mürrisch, mal spitzfindig, mal nörgelnd: In einem Elfenbeinturm sitzt dieser Goethe nicht. Der kam manchem vielleicht doch vor wie eine Person, die man auch im eigenen Bekanntenkreis hat. |

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Als Goethe eine Homepage und ein Handy bekam

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Den Dichterfürst Goethe vom Olymp herabgeholt

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Ein großartiger Schauspieler

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Michael Staemmler mit Figurentheater „Gingganz" aus Göttingen in „Kunst & Bühne"

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Satirisch bissig

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 © Figurentheater Gingganz, 2001-2005
Figurentheater Gingganz - Inszenierungen für Kinder und Erwachsene, Straßentheater - gegründet 1984 in Göttingen, fahrendes Theater, umfangreiches Repertoire von Märchen über "Der Kleine König Dezember" und "Oh wie schön ist Panama" bis hin zu Goethes "Faust", "Don Carlos" und "Warten auf Godot".
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