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WARTEN AUF GODOT
von Samuel Beckett

Kritiken


Menschliche Puppen

von Alia Beguicheva, Rheinzeitung, 23. September 1998


Figurentheater Gingganz wartete auf Godot

Die Schauspieler müssen Clowns sein, um den Dialog Wladimirs und Estragons in ~Warten auf Godot" richtig wiederzugeben. Oder sie müssen Puppen sein. So wie die Puppen des Figurentheaters„Gingganz", die in den Kammerspielen das Publikum aufs neue für das Stück Samuel Becketts begeisterten.

Die Puppen, angefertigt von Barbara und Günther Weinhold, bringen die Funktion der Dialoge wunderbar zum Ausdruck: Wladimir und Estragon langweilen sich, und, um dies erträglicher zu machen, reden sie. "Gogo, du mußt mir von Zeit zu Zeit den Ball zu spielen." Und das tut Estragon-Gogo, indem er rumkaspert. Das "Warten auf Godot" verwandelt sich während des Spektakels in ein geflügeltes Wort.

Oft machen die Puppen lachen. Estragon, wenn er seinen Schuh auszieht und ein riesiger Fuß zum Vorschein kommt. Wladimir, wenn er seinen Hut ab-
nimmt und zeigt, wie er gebaut ist- unter dem Hut hat die Puppe keinen Kopf.

Die Symbolik der Figur des Pozzo bringen Mechthild (Estragon} und Michael Staemmler (Wladimir) meisterhaft zum Ausdruck: Im ersten Akt spielt der Mann den Pozzo. Der Mensch führt die Marionette na- mens Lucky an der Leine, verteilt gnädig Knochen. "Ihr seid doch menschliche Wesen", sagt der Mensch-Gott in der Maske zu den Puppen mit Menschengesicht. Im zweiten Akt wird Pozzo blind und übergibt das Spiel der Puppe.

"Gingganz" zeigt: Die Puppen spielen dieses Stück viel besser als Menschen. Der dicke Wladimir mit roter Nase und Bierbauch und der einbeinige Estragon, blau gefärbt und ganz dürr, sind echte Clowns, die die Komik dieser Tragödie beherrschen. In einer Bude aus Wellpappe machen die Puppen Kopfstand. Staemmlers verdecken ihnen die Augen. Denn so, glauben sie, wird der Gott sie sehen.

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Figurentheater Gingganz - Inszenierungen für Kinder und Erwachsene, Straßentheater - gegründet 1984 in Göttingen, fahrendes Theater, umfangreiches Repertoire von Märchen über "Der Kleine König Dezember" und "Oh wie schön ist Panama" bis hin zu Goethes "Faust", "Don Carlos" und "Warten auf Godot".